Weißkugel 3739 m Überschreitung Saldurseenplatte 2750 – 3000 m / 2021

Eine abenteuerliche 3-Tages-Hochtour mit drei Anfängern auf den Gletscherriesen von der Oberetteshütte aus und Überschreitung der höchstgelegenen Seenplatte Südtirols  / Italien

Ötztaler Alpen / über die Südflanke des Matscherferners und über den Südgrat / Italien
07/2021 / Technische Schwierigkeit: WS+ (PD+), Gletscherhänge bis 40°, im Fels I-II

Infrastruktur

Talort: Mals, 1051 m
Ausgangspunkt: Parkplätze am Glieshof, 1824 m und am Waldrand am Ende des Matschertals sind reichlich vorhanden.
Stützpunkte: Matscher Alm, 2050 m und Oberetteshütte, 2670 m
Teilnehmer: Sandra, Manuela, Peter, Tobias, Nils, Johann und Norbert
Ausrüstung: Gletscherausrüstung

1. Tag

Über die linke Talseite des Matscher Tals gingen wir zunächst über einen breiten Forst- und später einen Waldweg gemütlich zur schön gelegenen und renovierten Matscher Alm, 2050 m.

ca. 1,0 Std. 250 Hm ↑

Das Dream-Team am Parkplatz, unser Lachen haben wir auf der gesamten Tour (fast) nie verloren! 🙂 Eine Herde Kühe begleitete uns ab dieser Weggabelung bis zur Matscher Alm.Eine Herde Kühe begleiteten uns bis zur Matscher Alm.Durch die Eskorte gelangten wir sicher zur malerisch gelegenen Matscher Alm.

Wir kehrten kurz auf der Matscher Alm ein und wanderten über den Wanderweg Nr. 1 bis zur Materialseilbahn im hinteren Matscher Tal, von dort aus über einen schön angelegten Serpentinenweg erreichten wir die Oberetteshütte, 2670 m.

ca. 2,0 Std.  ca. 620 Hm ↑
gesamt: ca. 3,0 Std. 870 Hm ↑

Der Normalzustieg zur Hütte führt an Wasserfälle vorbei.

Unsere Unterkunft – die Oberetteshütte (2670 m)
Ein Juwel unter den Hütten, super Ausstattung, sehr sympathische Wirtsleute und vorzügliches Essen runden das Gesamtprofil der Hütte zur vollsten Zufriedenheit ab.

Uneingeschränkt weiterempfehlen!

Homepage: http://www.oberettes.it

Abendstimmung auf der Oberetteshütte. 2. Tag

Wir brachen um 6:00 Uhr an der Oberetteshütte in der Dunkelheit mit Stirnlampen  Richtung Weißkugel, 3739 m auf. Über eine kleine Brücke ging es über den Steig Nr. 5 b hoch zum Sattel auf rund 3000 Metern. Zum ersten Mal erhaschten wir den Blick auf die Weißkugel , 3739 m und auf den Inneren Bärenbartkogel, 3554 m. Oben auf dem Sattel am Spaiktsee machten wir eine kleine Pause und bestaunten sowohl die Weißkugel, als auch die gegenüberliegende Ortler-Gruppe. Vorbei am Spaiktsee stiegen wir bis zum Matscher Ferner ab, legten die Ausrüstung an und betraten in zwei Seilschaften den Gletscher zunächst in der Mitte, danach stiegen wir links haltend zum Hintereisjoch, 3469 m, auf.
Über das „Matscher Wandl“, ein recht steiler Südhang (ca. 40° auf 80 Hm), der bei Blankeis oder Neuschnee unangenehm werden kann, quälten wir uns bis zum luftigen Felsgrat auf, der uns in leichter, aber ausgesetzter Kletterei I-II zum dritthöchsten Gipfel Österreichs mit einer grandiosen Aussicht (einer der umfassendsten der gesamten Alpen) führte. Über den Aufstiegsweg stiegen wir wieder zur Oberetteshütte, 2677 m ab.
gesamt: ca. 9,0 Std. 1200 Hm ↑↓

Panorama Spaiktsee auf knapp 3000 Metern.Ein perfekter Rastplatz am Spaiktsee.

Die gegenüberliegende Ortler-Gruppe. Endlich Sonne am Anseilplatz!

Das Matscher Wandl (die Schlüsselstelle im Eis, 40° auf ca. 80 Hm) am riesigen Krater des Hintereisjochs, 3471 m.Der beschwerliche Aufstieg über das Wandl forderte nochmal die letzten Reserven von uns.

Von der Schulter ging es über den Südgrat in luftiger Blockkletterei I-II zum Gipfel.

Die Weißkugel (3739 m) ist eine imposante Gletscherriese mit grandiosem Rundumblick!

Der Rückweg musste wegen aufziehender Wolkenfelder schnellstens angetreten werden! 🙁

Auf der Hütte erwartete uns ein vorzügliches Abendessen.

3. Tag

Nach dem Frühstück stiegen wir gemütlich von der Oberetteshütte über den mit Drahtseilen gesicherten Höhenweg Nr. 4 (teilweise ausgesetzt, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderlich) zu den zauberhaften Saldurseen nach „Klein-Tibet“ auf (höchstgelegene Seenplatte Südtirols, zw. 3000 m – 2750 m).
Wir genossen das einmalige Panorama auf die Saldurseen (die Gegend hat wirklich tibetisches Flair, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen) und stiegen über Wiesen und Wälder zum Ausgangspunkt zu den Glieshöfen ab. Am Reschensee gönnten wir uns noch eine Kleinigkeit zum Essen, ließen die Tour Revue passieren und traten danach die Heimreise an.

Route

Aufstieg: ca. 2,5 Std. 368  Hm ↑
Abstieg zu den Glieshöfen: ca. 2,5 Std. 1214 Hm ↓
Gesamt: ca. 5 Stunden

Ein alter Militärpfad, schmal und teilweise recht ausgesetzt, führte uns hoch bis zur Scharte auf über 3000 m. Ein heikles, vereistes Schneefeld musste überquert werden.

Ein bisschen mehr Adrenalin als erwartet erforderte diese Querung!

Oben in der Scharte erwartete uns „Klein-Tibet“ auf einer wunderschönen Plateaufläche mit großen Steinsäulen auf knapp über 3000 Metern.

Nach einer Rast stiegen wir weiter zu den magischen Saldurseen ab, diese Hochgebirgsseenplatte beinhaltet fünf Seen in landschaftlich großartiger Umgebung zw. 2750 m – 3000 m.

Eine zauberhafte Sonnenterrasse mit Blick auf die unteren Saldurseen erwartete uns an dieser Stelle!
Traumhafte Naturkulisse!Die Fotosession konnte beginnen!

Nach dem Dreh wurden wir etwas müde, dieses Foto ist nicht gestellt! 🙂
Der untere Saldursee lädt viele Hartgesottene zum Baden ein! Panorama Klein-Tibet mit dem unteren Saldursee.Bye, bye und Endspurt! Vorbei an Gletscherbächen, über Wiesen und Wälder ging es zurück zum Parkplatz am Glieshof. Eine letzte Pause am Reschensee vor der Heimreise.Fazit

Die Besteigung der Weißkugel von der Oberetteshütte aus ist ein unvergessliches Abenteuer in einer landschaftlich grandiosen Umgebung. Den Bergsteiger erwartet eine klassische Hochtour, gespickt mit Gletscherpanorama, Steilwand und schmalem Gipfelgrat. Mit der Überschreitung der zauberhaften Saldurseen sogar ein Hochtourenwochenende, welches an Abwechselung und Superlativen kaum zu überbieten ist! Herzlichen Dank vor allem an die super Moral aller Teilnehmer, wir haben unseren Humor trotz Strapazen nie verloren, bis zum Schluss gekämpft, geschwitzt, gelacht und gelitten. Die unvergesslichen Momente und landschaftlichen Eindrücke werden uns für immer bleiben.
Danke!